Pädagogische Hochschule Thurgau

Print

PHTG-News

Dienstag 10. Mai 2011

05.05.2011 Kinder in ihren Lernprozessen begleiten und stärken, Beobachtungen und Dialoge am Beispiel der „Bildungs- und Lerngeschichten“

Am 5. Mai 2011 fand die Veranstaltung Stärkung von Anfang an mit Frau Corina Wustmann Seiler statt. Frau Wustmann Seiler referierte zum Thema „Kinder in ihren Lernprozessen begleiten und stärken“. Im Zentrum des Referates ging es einerseits um das Verständnis von Bildungsprozessen im Alter von 0 bis 4/5-jährigen Kindern. Wie auch um die Fragestellung: Wie können wir Risikokinder wahrnehmen und unterstützen?

Corina Wustmann Seiler

Eine Videosequenz zeigte den rund 30 Teilnehmenden, was Bildung in der frühen Kindheit bedeutet. Ein Kind ist selbst aktiv, erfasst die Welt mit viel Staunen  und untersucht spielerisch ein Phänomen. Das Kind traut sich dabei etwas zu und erlebt die Wirksamkeit seines Handelns. Es lernt sozusagen mit allen Sinnen. Die Erwachsenen beachten das Kind in seinem Tun, in dem sie es beobachten und somit die Interessen und Fertigkeiten sowie Fähigkeiten erkennen. Sie sind in der Rolle einer Entwicklungs- und Bildungsbegleitung. Frau Wustmann Seiler bezieht die Resilienzforschung in ihre Ausführungen zum Potenzial der Kindertagesstätten bei Risikokindern ein. Sie beschreibt die Kindertagesstätten als möglichen Ort der Struktur und Orientierung. Denn die Fachpersonen können die Rolle der verlässlichen, vertrauten Bezugsperson einnehmen und das Kind kann in dieser ausserfamiliären Einrichtung seine Selbstwirksamkeit erleben.

Frau Wustmann plädiert für eine stärkende Pädagogik und eine Kultur des Dialoges. Dabei ist stets das Potenzial eines Kindes Ausgangspunkt. Um das Potenzial und die Interessen eines Kindes zu kennen, sind Beobachtungen erforderlich. Als mögliches Instrument, welches sich aus Sicht der Referentin bewährt, kann die Methode der „Bildungs- und Lerngeschichten“ angewandt werden. Dabei werden die Kinder 5 bis 10 Minuten beobachtet. Diese beobachteten Stärken werden unmittelbar notiert beziehungsweise fotografiert, je nach Alter des Kindes. Die Geschichte ist in der Regel eine Seite lang und wird dem Kind vorgelesen oder erzählt und gezeigt. Dabei entstehen diverse Dialoge. Die Beobachtungen werden in der Gruppe unter den Fachpersonen diskutiert, sie werden mit dem Kind besprochen und auch den Eltern erzählt. Dieser ressourcenorientierte Blick ermöglicht das Spiegeln des Verhaltens des Kindes in seinem Lernprozess, dokumentiert seine Fähigkeiten und Fertigkeiten und zeigt seine Fortschritte auf. Diese Wertschätzung und Anerkennung unterstützt die kindliche Weltaneignung.

Weitere Informationen zum Projekt: www.mmi.ch/bildungsprojekt