Die Repräsentation der Volksschule im deutschschweizerischen Schuldiskurs. Eine wissenssoziologische Analyse

Die Repräsentation der Volksschule im deutschschweizerischen Schuldiskurs. Eine wissenssoziologische Analyse

Projektbeschrieb

Kritik und Schelte an der obligatorischen Volksschule und der zugehörigen Bildungsverwaltung in der Schweiz ist weit verbreitet. Ein Blick in wissenschaftliche und populäre Texte zeigt ein unübersichtliches Gemenge unterschiedlichster Anforderungen, Einwände, Vorwürfe und gar Verdächtigungen zu dieser Institution. Obwohl die Volksschule, als die zentrale Einrichtung der Wissensgesellschaft gesamtgesellschaftlich funktional und erfolgreich ist – die grundlegenden Kulturtechniken werden an die allermeisten Kinder vermittelt –, scheint dies kaum mehr bemerkenswert. Alle Versuche, eine autoritative, anerkennungs- und konsensfähige Schulbeschreibung vorzulegen und ein Publikum für gemeinsame Gestaltungsanliegen zu formieren, geraten in ein Feld von Widerspruchspotentialen, das kaum mehr von einer Stelle aus mehr geordnet und befriedet werden kann. Seit die politischen Parteien die Schule vermehrt als ein Thema zur politischen Profilierung nutzen, verschärfen sich die Positionen über Status, die Zielsetzungen und die Programme der Schweizer Volksschule erheblich. Zugleich fragmentiert sich der Schuldiskurs dergestalt, dass er unübersichtlich, inhaltlich dispers und vielstimmig erscheint. Dieses spannungsreiche diskursive Feld beeinflusst sowohl den Schulalltag, das Selbstbild der Lehrpersonen, als auch den Spielraum für die weiteren institutionellen Entwicklungen. Deshalb scheint uns eine wissenschaftliche Untersuchung von Anforderung, Kritik und Schelte zur Volksschule angezeigt und lohnenswert.

Die empirische Basis von Beschreibung, Analyse und Erklärung wird gebildet durch einen Bestand von Texten zur Volksschule aus Zeitungen, Zeitschriften, administrativ autorisierten Publikationen und Lobbytexten aus der Deutschschweiz. Anhand dieser Materialien wird die Repräsentation der Volksschule aufgezeigt, inhaltlich konkretisiert und nachgezeichnet. Zweitens wird die Vielstimmigkeit auf die diskursiven Strategien, kommunikativen Ressourcen und institutionellen Zielrichtungen ihrer Trägergruppierungen und Diskursgemeinschaften hin analysiert und zu einem Schema des Schweizer Volksschuldiskurses verdichtet. Drittens wird eine modernisierungstheoretische Einbettung der Befunde angestrebt, geleitet von der Annahme, dass es zur Modernität der Schule gehört, dass sie sich weder in ihrer Praxis noch in ihrer Entwicklung auf eine allgemeingültige Beschreibung abstützen kann. Insgesamt möchte dieses Projekt zu einem vertieften Verständnis dessen beitragen, was auf den ersten Blick als eine mehr oder weniger beliebige und beliebte Kritik an einer prinzipiell erfolgreichen Institution - der Volksschule - erscheint.

Bearbeitung

Achim Brosziewski und Christoph Maeder (Projektleitung)
Michaela Heid
Alex Knoll

Kooperationspartner

Prof. Dr. Reiner Keller, Universität Augsburg

Finanzierung

SNF (Projekt Nr.100013_140619 / 1)

Laufzeit

02/2013-07/2015