MePraS

Mehrsprachige Praktiken von Kindern und Fachpersonen in Spielgruppen (MePraS)

Projektbeschrieb

Spielgruppen sind in der Deutschschweiz weit verbreitet – auch in ländlichen Regionen, wo Kindertagesstätten oft fehlen. Wenn Kinder mit Migrationshintergrund frühzeitig und genügend zeitintensiv eine Spielgruppe von guter Prozessqualität besuchen, wirkt sich das günstig auf die Entwicklung ihrer mehrsprachigen Fähigkeiten aus (Grob et al. 2014). Verschiedene internationale Studien zu frühpädagogischen Einrichtungen weisen darauf hin, dass Alltagsgespräche von den pädagogischen Fachpersonen noch zu wenig gezielt für die Erwerbsunterstützung sprachlich-kognitiver Fähigkeiten genutzt werden. Explorative Studien zu Deutschschweizer Spielgruppen stützen diesen Befund auch für die Schweiz. Das Projekt «Mehrsprachige Praktiken von Kindern und Fachpersonen in Spielgruppen» (MePraS) will deshalb zur Weiterentwicklung der vorschulischen Sprachbildung in Spielgruppen beitragen.

Zu diesem Zweck wird in MePraS im Sinne der fokussierten Ethnografie bzw. «Videografie» (Knoblauch 2006) der kommunikative Alltag in vier Spielgruppen mit mittlerem bis hohem Anteil an mehrsprachigen Kindern untersucht. In jeder Spielgruppe werden zu Beginn und am Ende des Spielgruppenjahres die Fachkraft und ein mehrsprachiges Fokuskind während jeweils eines Vormittags begleitet und gefilmt. Die Sprachproduktionen der Kinder werden linguistisch analysiert und ausgewählte Passagen aus diesem Videomaterial im interdisziplinären Analyseteam sequenzanalytisch-rekonstruierend ausgewertet. Zusätzlich wird mit den vier Fachpersonen eine Gruppenwerkstatt (Bremer 2004) durchgeführt, um ihre Orientierungen im Hinblick auf Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung zu rekonstruieren. Die Praktiken der Fachpersonen und Kinder, die Sprachproduktionen der Kinder und die Orientierungen der Fachpersonen werden fallintern, fallübergreifend und längsschnittlich auf ihre Bezüge hin untersucht. Auf dieser Grundlage wird eine Typologie der mehrsprachigen Praktiken in Spielgruppen entwickelt und im Datenmaterial sowie theoretisch verankert. Mit dem Projekt MePraS soll Grundlagenwissen erarbeitet werden, um die bisher im Spielgruppenfeld implementierten Massnahmen zur Optimierung der Prozessqualität bei der alltagsintegrierten Sprachförderung noch stärker auf «kompetente Mehrsprachigkeit» (Auer 2009) auszurichten. Übergeordnetes Ziel ist es, mit diesen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten die aktuell laufende Professionalisierung im Spielgruppenfeld zu unterstützen.

Bearbeitung

Dieter Isler (Projektleitung)
Katharina Kirchhofer
Achim Brosziewski
Noëmi Castelletto
Betül Dursun 

Partnerorganisationen

Institut für Mehrsprachigkeit, Universität Fribourg
Pädagogische Hochschule Zürich

Kooperationspartner

Sibylle Künzli (PHZH)
Claudia Neugebauer (PHZH)

Finanzierung

Institut für Mehrsprachigkeit, Universität Fribourg
Kammer PH, swissuniversities
Forschungsabteilung PHTG
Abteilung Forschung und Entwicklung PHZH

Laufzeit

10/2016–10/2018