KosH – Kooperation im Kontext schulischer Heterogenität

KosH – Kooperation im Kontext schulischer Heterogenität

Projektbeschrieb

Mit der Studie „KosH - Kooperation im Kontext schulischer Heterogenität“ wird eine der grossen Herausforderungen heutiger Schulen und Lehrpersonen in den Blick genommen, der Umgang mit den unterschiedlichen kognitiven und sozial-emotionalen Voraussetzungen ihrer Schülerinnen und Schüler. Ein gängiger Weg zur Bewältigung der oft beträchtlichen Unterschiede zwischen den Kindern einer Klasse ist der Einsatz von Fachpersonen für Sonderpädagogik. Die wenigen Untersuchungen, die Aussagen über Praktiken von Regellehrpersonen und Fachpersonen für Sonderpädagogik erlauben, weisen auf Unterschiede zwischen theoriebasiert normativen Idealen und der beobachtbaren Praxis.

Mit der über drei Jahre laufenden, auf der Primarstufe angesiedelten Längsschnittstudie KosH wurden Fragen zu Rollenauffassungen und Handeln von Klassenlehrpersonen und Fachpersonen für Sonderpädagogik untersucht. Im Fokus standen Prozesse der Diagnose, Förderung, Kooperation und Beratung im Feld der integrativen Schulung sowie die Rahmenbedingungen des Handelns. Die Studie trägt zur Klärung und Optimierung der integrativen Schulpraxis bei.

Die Fragen wurden im Längsschnitt mit zwei Gruppen zu je zwei Erhebungszeitpunkten untersucht. An der Untersuchung beteiligt sind 30 sogenannte „Förderteams“. Diese setzen sich aus Fachpersonen für Sonderpädagogik und den Lehrpersonen zusammen, welche mit diesen zusammenarbeiten. Es beteiligten sich somit jeweils mehrere Personen pro Schule. Idealerweise war die Teilnahme am Projekt in den Entwicklungsplan der Schulen eingebunden und es war das gesamte Team involviert. Die Datenerhebungen umfassten Interviews, Onlinejournale und schriftliche Befragungen. Videoaufnahmen prototypischer Kooperations- und Förderanlässe ermöglichen ausserdem vertiefende Analysen authentischer Aktivitäten. Die beteiligten Förderteams hatten im Anschluss an die erste Projektphase die Möglichkeit bedarfsgerechte, vom Amt für Volksschule Thurgau finanzierte Weiterbildungsangebote zu nutzen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Lernumgebungen zur integrativen Förderung von Lernenden mit besonderem Förderbedarf von den Akteurinnen und Akteuren immer wieder neu den sich veränderten Voraussetzungen und Zielen (v.a. seitens der Lernenden) sowie Rahmenbedingungen (z.B. Wechsel bei der Schulleitung, im Kollegium) und angepasst werden müssen. Dies erfordert beträchtliche Kompetenzen zur kooperativen Aushandlung. Mit der Studie „Rollenauffassungen und Aktivitäten im Kontext schulischer Integration“ wurden Modelle (Typologien) und ein Instrument (Kooperationsplaner) generiert, die den Beteiligten erlauben, ihre Arbeit sachlich und zielorientiert zu strukturieren. Die Typologien sowie die methodologischen Entwicklungen bieten Grundlagen für weitere Forschung. Detaillierte Ergebnisse aus der Studie können den Publikationen entnommen werden.

Publikationen

Kosorok Labhart, C., Kreis, A. & Wick, J. (2013). Elternarbeit in integrativen Schulen. Schulblatt des Kantons Thurgau, 55(3), 14-15.

Kosorok Labhart, C., Kreis, A. & Wick, J. (in prep.). Vom Onlinejournal zum Activity-Map – Eine prozessnahe Methode zur Erfassung inklusionsbezogener Aktivitäten. Forum Qualitative Sozialforschung.

Kreis, A. (in Vorbereitung, erscheint 2016). Aktivitäten inklusiver Förderung – Die Suche nach Professionalität in sozialen Feldern inklusiven Unterrichts. Beiheft „Inklusion“ zur Zeitschrift für Pädagogik.

Kreis, A., Kosorok Labhart, C. & Wick, J. (2013). Beratung als Arbeitsfeld der integrativen Sonderpädagogik. Zeitschrift für Heilpädagogik, 64(6), 43-49.

Kreis, A., Kosorok Labhart & C. Wick, J. (2013). Rollenklärung mit dem Kooperationsplaner. Schulblatt des Kantons Thurgau, 55(6), 7-8.

Kreis, A., Kosorok Labhart, C. & Wick, J. (2014). Der Kooperationsplaner – ein Instrument zur Klärung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten an integrativen Schulen. In A. Bartz, M. Dammann, S.G. Huber, T. Klieme, C. Kloft & M. Schreiner (Hrsg.), PraxisWissen Schulleitung (47. Aktualisierungslieferung, 47.12, S. 1-12). Köln: Wolters Kluver.

Kreis, A., Kosorok Labhart, C. & Wick, J. (in prep.). Mapping collaborative activities – a typology of special educator teachers in inclusive school settings. Frontline Learning Research.

Kreis, A., Wick, J. & Kosorok Labhart, C. (2013). Kooperation im Kontext der integrativen Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderem Förderbedarf. In M. Schüpbach, A. Slokar & W. Nieuweboom, Kooperation als Herausforderung in Schule und Tagesschule, S. 51-66. Bern: Haupt.

Kreis, A., Wick, J. & Kosorok Labhart, C. (akzeptiert, erscheint 2015). Der Kooperationsplaner – ein webbasiertes Instrument zur Klärung von Aufgabenfeldern und Zuständigkeiten zwischen Fachpersonen für schulische Sonderpädagogik und Regellehrpersonen. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik.

Kreis, A., Wick, J. & Kosorok Labhart, C. (Hrsg.). (in prep./Erscheinen geplant 2015). Kooperation im Kontext schulischer Heterogenität. Münster: Waxmann. (Sammelband mit Beiträgen von Forscherinnen und Forschern aus dem deutschsprachigen Raum, erscheint in der Reihe „Netzwerke im Bildungsbereich“, herausgegeben von H. Altrichter, N. Berkemeyer, H. Kuper und K. Maag Merki)

Kreis, A., Wick, J. & Kosorok Labhart, C. (2014). Wahrgenommene Zuständigkeiten von pädagogischem Personal in integrativen Schulen des Kantons Thurgau. Empirische Sonderpädagogik, 4(4), 333-349. URL: http://www.psychologie-aktuell.com/fileadmin/download/esp/4-2014_20141028/esp_4-2014_333-349.pdf

 

Bearbeitung

Annelies Kreis (Projektleitung)
Jeannette Wick
Carmen Kosorok Labhart
Katja Stalder Kaiser (Prorektorat Lehre)
Gaudenz Lügstenmann
Richard Müller (Prorektorat Weiterbildung)
Markus Oertly (Videotechnik)

Kooperationspartner

Amt für Volksschule Kanton Thurgau
Prof. Dr. Kathrin Fussangel, Bergische Universität Wuppertal
Prof. Dr. Reto Luder PHZH
Dr. André Kunz PHZH

Finanzierung

SNF (Projekt-Nr. 13DPD3_134863)
Amt für Volksschule Kanton Thurgau

Laufzeit

05/2011-09/2014