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27.01.21 Ringvorlesung «Frühe Kindheit im Kontext der Corona-Pandemie»

Die aktuelle Veranstaltung der Reihe «Forschung und Praxis in der frühen Kindheit» der Universität Konstanz & der Pädagogischen Hochschule Thurgau war dem Schwerpunktthema «Frühe Kindheit im Kontext der Corona-Pandemie: Aktuelle Forschungsbefunde aus der Schweiz» gewidmet. Prof. Dr. Nevena Dimitrova, Haute école de travail social et de la santé Lausanne (HETSL), und Dr. phil. Fabio Sticca, Marie Meierhofer Institut für das Kind (MMI), berichteten über ihre Studien, die sie im Lockdown im Frühling 2020 durchgeführt hatten. Die Veranstaltung mit 50 Teilnehmenden wurde online durchgeführt. Moderiert wurde die Ringvorlesung von Prof. Dr. Sonja Perren.

Prof. Dr. Nevena Dimitrova (HETSL) referierte zum Thema «Impact of Coronavirus-Related Lockdown on Screen Use and Vocabulary in Swiss Children Aged 12 to 30 Months». Für die Studie waren 400 Eltern mit Kindern im Alter von 12 bis 13 Monaten befragt worden. Die meisten Eltern stammten aus der Romandie. Die Studie gelangte zum Ergebnis, dass auch bei Kleinkindern während des Lockdowns die Bildschirmzeit angestiegen war. Allerdings zeigte sich auch, dass die Bildschirmzeit bei den kleinen Kindern oft durch aktives «Co-Viewing» der Eltern (d.h. Filme und Bilder wurden als Gesprächsanlass genutzt) gekennzeichnet war. Aktives Co-Viewing war auch mit einer höheren Sprachkompetenz assoziiert.

In der Studie, die von Dr. Fabio Sticca (MMI) präsentiert wurde, waren primär aus der Deutschschweiz stammende Eltern von 139 Kleinkindern dazu befragt worden, wie ihre Kinder und sie selbst den ausserordentlichen Zustand erlebten hätten und welche Auswirkungen die Situation auf ihre Alltagsgestaltung und ihr Wohlbefinden gehabt habe. Die Studie zeigte auf, dass der Lockdown für einige Eltern eine starke Belastung gewesen war, jedoch nicht für alle. Die kleinen Kinder passten sich meistens gut an die neue Situation an und zeigten ein hohes Wohlbefinden. Die Studienergebnisse weisen zudem darauf hin, dass der Lockdown nicht nur Risiken, sondern auch Chancen beinhaltete: Mehr Zeit für die Familie und für Aufenthalte in der Natur wurden als positiv bewertet.
Die Veranstaltung wurde mit einer Diskussionsrunde mit den Teilnehmenden abgeschlossen. Hier stand insbesondere die Frage im Fokus, welche Bedeutung die Befunde aus dem Lockdown im Frühling 2020 für den gegenwärtigen Umgang mit der Krise haben. Insbesondere wird befürchtet, dass die mittlerweile chronische Belastungssituation stärkere negative Auswirkungen auf Kinder und ihre Familien haben könnte als die relativ kurze und überschaubare Zeit im Lockdown im Frühling des vergangenen Jahres.

Text: Prof. Dr. Sonja Perren

 

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