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09.04.19 Kultur und Geschichte im Kontext sehen

Lukas Peer, Dozent Musik PHTG

Lukas Peer, Musikdozent an der Pädagogischen Hochschule Thurgau und Dr. Özkan Ezli, Literatur- und Kulturwissenschaftler an der Universität Konstanz beleuchteten die Begriffe Identität und kulturelles Erbe aus zwei verschiedenen Blickwinkeln. Dr. Roland Scherer von der Universität St. Gallen moderierte den Wissenschaftstalk.

Zwei Wissenschaftler, zwei Blickwinkel: Die Podiumsteilnehmer Lukas Peer und Dr. Özkan Ezli beschäftigten sich im Rahmen des Wissenschaftstalks «Grenzgänger Wissenschaft» mit den Veränderungen durch die verschiedenen Kultureinflüsse auf die Bodenseeregion und den Herausforderungen, die dadurch erwachsen. Die beiden brachten ihre wissenschaftliche Perspektive ein, zum einen die historisch musikalische, mit Fokus auf den interkulturellen Musikunterricht in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung und zum anderen die historisch politische mit Verknüpfung zu gesellschaftlichen Prozessen. Dr. Roland Scherer, Direktor des Instituts für Systemisches Management und Public Governance (IMP-HSG) der Universität St. Gallen und Herausgeber einer Forschungspublikation zur Zukunft der Bodenseeregion, bereicherte durch seine Moderation die Gesprächsrunde.

Mission interkultureller Musikunterricht
Identitäten zusammenbringen und gemeinsam etwas aufbauen: das seien die Aufgaben von Lehrpersonen im interkulturellen Musikunterricht, so das Votum von Lukas Peer. Mit dem Singen und Spielen von Liedern aus den jeweiligen Herkunftsländern der Schülerinnen und Schüler könne eine positive Identität aufgebaut werden. Die Lehrpersonen sollten versuchen, die multikulturelle Zusammensetzung in den Klassen als Chance zu nutzen. In fremdsprachigen Stücken stellen ungewohnte Tonleitern oder Rhythmen allerdings eine Herausforderung dar. Er dokumentierte anhand von interaktiven Fragen, bei denen das Publikum miteinbezogen wurde, dass sich der Anteil an fremdsprachigen Liedern in den Lehrmitteln im Verlauf der Jahre verändert hat und dass diese Veränderungen weiter andauern. Dabei sei es wichtig, dass die Lehrmittel ausgewogen bleiben und auch das eigene Liedergut gepflegt werde.

Veränderungen dokumentieren
Den Begriff Kultur sollte man im Kontext mit der Historie sehen, plädierte Özkan Ezli. Man sollte sich immer darauf besinnen, worum es gehe und was die Geschichte sei, die hinter dem Ganzen stehe. «Ohne diese Historie erwächst eine politische Affektkultur, die Ängste auslöst.»
Er plädierte dafür, diese Ängste ernst zu nehmen. Man könne diesen mit wissenschaftlichen und rationalen Argumenten begegnen und so auch die politische Stimmung beeinflussen. Es sei wichtig, die Migrationsgeschichte aufzubereiten und zu entdramatisieren.

«Kulturerbe ist ein Gut, das, wie der Begriff es schon zeigt, auch gepflegt werden muss.» Man müsse dabei aber die eigene Geschichte aktualisieren und Neues integrieren. «Die Kultur soll sich lebendig weiterentwickeln, das Erbe soll vital bleiben».
Dabei sei es wichtig, die Veränderungen zu dokumentieren. So könne man die Weiterentwicklung steuern.

Der nächste Wissenschaftstalk «Grenzgänger Wissenschaft» findet am 21. Mai um 20 Uhr in der Café|Bar SiX in Kreuzlingen zum Thema Zukunft der Grenzen statt.