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15.01.20 Sprachbeherrschung ist der Schlüssel zum Wissen

Vlnr: Prof. Dr. Claudia Schmellentin, Leiterin Professur Deutschdidaktik und ihre Disziplinen, PH FHNW, Beat Brüllmann, Chef Amt für Volksschule, Prof. Dr. Priska Sieber, Rektorin Pädagogische Hochschule Thurgau

Prof. Dr. Claudia Schmellentin, Leiterin Professur Deutschdidaktik und ihre Disziplinen, PH FHNW, Gemeinsam die Schulsprache Deutsch fördern, Thementagung des Amts für Volksschule und der Pädagogischen Hochschule Thurgau

Gemeinsam die Schulsprache Deutsch fördern, Thementagung des Amts für Volksschule und der Pädagogischen Hochschule Thurgau in der Mehrzweckhalle Berg

Die diesjährige Thementagung des Amts für Volksschule und der Pädagogischen Hochschule Thurgau stellte die Sprachbildung ins Zentrum: nur wer die Schulsprache Deutsch beherrscht, kann sich Wissen aneignen. An der Tagung vom 15. Januar 2020 in Berg (TG) bildeten sich rund 250 Vertreterinnen und Vertreter der Thurgauer Volksschule in Workshops und Referaten zur Sprachbildung weiter.

«Der Schulsprache Deutsch kommt eine zentrale Bedeutung zu. Nicht zuletzt als Schlüssel zu anderen, nichtsprachlichen Fächern, z. B. im MINT - Bereich.», sagte Beat Brüllmann, Chef des Thurgauer Amts für Volksschule (AV) zur Eröffnung der Thementagung. Diese wird jährlich vom AV und der Pädagogischen Hochschule (PHTG) gemeinsam durchgeführt. Sprache und Sprachkompetenz stünden heute im Schulalltag und politisch im Fokus, so Brüllmann. «Am Ende der obligatorischen Schulzeit erreichen trotz des Engagements der Lehrpersonen nur rund 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Grundkompetenzen in Deutsch», führte er in seinem Geleitwort zur Tagung aus. Die weitere Förderung der Schulsprache Deutsch sei deshalb eine bedeutsame Bildungsaufgabe.

«Alles Lernen hat mit Sprache zu tun», sagte im Anschluss PHTG-Rektorin Priska Sieber zu den rund 250 Lehrpersonen, Schulleitungen und Behördenmitgliedern an der Tagung in der Mehrzweckhalle in Berg TG. «In unserer digitalisierten, komplexen Welt wird die Fähigkeit, mit Sprache und Texten umzugehen, immer wichtiger», betonte Sieber.

Rolle der Lehrmittel und der Leseaufgaben im Lernprozess
Prof. Dr. Claudia Schmellentin, Leiterin Professur Deutschdidaktik und ihre Disziplinen an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), gilt schweizweit als eine der profiliertesten Forscherinnen im Bereich der Sprachbildung. «Laut Lehrplan 21 sind überfachliche Kompetenzen für eine erfolgreiche Lebensbewältigung zentral. Rund zwei Drittel dieser Kompetenzen sind sprachlicher Art», sagte Schmellentin. Sprache sei in allen Schulfächern die Voraussetzung, um Wissen aufzubauen, zu reflektieren und wiederzugeben. Anhand von Beispielen aus Schulbüchern zeigte sie auf, dass allerdings viele Texte und Darstellungen für Schülerinnen und Schüler aufgrund ihrer Machart schwer verständlich sind. Oft würden etwa zu viele Fachbegriffe und ungewohnte Verben und Adjektive verwendet. Ausserdem fehlten bei vielen Texten eine übersichtliche Darstellung sowie eine Zielvorgabe zur Lektüre.

Schülerinnen und Schüler sprachdidaktisch unterstützen
Frau Schmellentin sieht für den sprachbewussten (Fach-)Unterricht Handlungsbedarf in den folgenden drei Bereichen: Zuerst sollen unnötige sprachliche Hürden in Lehrmitteln und im Unterricht abgebaut werden. Das bedeute aber nicht, Schultexte gänzlich von Fachsprache zu befreien. «Es sind ja eben diese Begriffe, die die Schülerinnen und Schüler verstehen und lernen sollen.» Zweitens sollen die Schülerinnen und Schüler im Leseprozess sprachdidaktisch unterstützt werden. Das kann etwa bedeuten, dass vorab ein Leseziel («Was soll ich aus dem Text mitnehmen?») definiert und das Fachvokabular diskutiert wird. Letztlich sollte die Förderung der Schulsprache Deutsch über die Schulfächer und -stufen hinweg möglichst einheitlich strukturiert werden. «Um die Lehrpersonen bei der Anwendung zu unterstützen, sollen die Schulen entsprechende Konzepte haben und die Weiterbildung fördern», sagte Schmellentin zum Schluss.

Die Teilnehmenden der Tagung befassten sich anschliessend in zwei Workshoprunden mit Sprachförderung. Die 21 Workshops beleuchteten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven und in verschiedenen Fachbereichen.

Einen kulturellen Schlusspunkt setzte der Satiriker Gabriel Vetter. Er, der nach eigenen Angaben die «harte Schule des Schaffhauser und Thurgauer Landlebens» durchlebt hat, griff das Thema Sprachförderung mit einer witzigen Textperformance auf.

Programm der Tagung: Link
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