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31.01.2018 Ringvorlesung der Reihe «Forschung und Praxis in der frühen Kindheit»

«Musik und Kunst in der frühen Kindheit» – unter diesem Thema regten zwei engagierte und begeisternde Referenten die Teilnehmenden zum Nachdenken und Diskutieren an.  Ein Modell zu den Faktoren musikalischer Kompetenz und die Erfahrung in Kunstprojekten mit Kindern bis vier Jahren bildeten die Ausgangspunkte der Gespräche und gemeinsamen Überlegungen. Moderiert wurde die Ringvorlesung von Prof. Dr. Angelika Schöllhorn, Dozentin im Masterstudiengang Frühe Kindheit an der Pädagogischen Hochschule Thurgau.

Dr. Wolfgang Feucht, Lehrbeauftragter für Musikdidaktik am Seminar für Lehrerbildung Rottweil und der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen, lud die Teilnehmenden zunächst zur Beobachtung von Kindern in einer Filmsequenz ein. Hier zeigte sich, dass Kinder, die gemeinsam Musik machen, mit ganz unterschiedlichen persönlichen Entwicklungsschritten in Bezug auf ihre musikalische Kompetenz beschäftigt sein können. An diesen Wahrnehmungen anknüpfend stellte er das von ihm entwickelte «Musikalische Kompetenzpuzzle» vor. Auf drei Ebenen (Kompetenz: Wissen, Fertigkeiten, Einstellungen und Erfahrungen; musikalische Praxis; Kompetenzklassen: sozial, personal, fachlich, methodisch und aktivitätsorientiert) zeigte der Referent Ansatzpunkte, damit Kinder in verschiedenen musikalischen Feldern handlungsfähig werden können. Die Teilnehmenden konnten das vorgestellte Kompetenzpuzzle direkt mit eigenen Erfahrungen verbinden und gemeinsam diskutieren.
Nina Knecht, Theaterschaffende und tätig im Verein PRIMA Kunst für die Kleinsten, berichtete sowohl von den Aktivitäten des Vereins als auch von Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern im Altersschwerpunkt von zwei bis vier Jahren. Im Verein PRIMA leisten drei Kunstschaffende seit 2014 Pionierarbeit in Kitas der Schweiz und Liechtensteins. Sie ermöglichen auch den Kleinsten Teilhabe an Kunst, indem sie künstlerische Projekte mit Kindern entwickeln und erforschen. Daneben leiten sie auch Workshops zur Weiterbildung von Fachpersonen in Kitas. Besonders eindrucksvoll waren für die Teilnehmenden der Ringvorlesungen die Schilderungen, wie das aktuelle Projekt zum Thema «Licht und Schatten» umgesetzt wird und wie die Kinder in einen nonverbalen Austausch mit dem Material, miteinander und mit den Kunstschaffenden treten. Die stimmungsvollen Bilder aus den Projekten vermittelten einen anregenden Einblick in die Arbeit des Vereins.
Im abschließenden Austausch diskutierten die Teilnehmenden neben persönlichen Erfahrungen vor allem auch die Bedeutung, die Musik und Kunst für die Kinder und darüber hinaus auch für die Gesellschaft haben oder haben können. Wenn es gelingt, Kinder in diesem Bereich ganzheitlich anzusprechen und musikalische und künstlerische Kompetenz zu vermitteln, werden sie sich nachhaltig verändern und dieses Erleben im Kontrast zu oberflächlichen Beschäftigungen und Reizen immer wieder aufsuchen.

Text: Prof. Dr. Angelika Schöllhorn, Dozentin Pädagogik und Psychologie