Als Praxislehrperson Studierende begleiten

Als Praxislehrperson Studierende begleiten

Andrea Rüegg
Studiengang Vorschulstufe, Absolventin 2008

Warum haben Sie sich für die Kindergartenstufe entschieden und was hat Sie von Anfang an daran fasziniert?
Mich interessiert der Beruf der Kindergartenlehrperson seit meiner Mittelschulzeit. Als Teenager waren es meine ersten Erfahrungen im Anleiten einer Kindergruppe auf unserem Bauernhof, die mein Bild des Kindes positiv geprägt haben und mich in der Rolle einer Leiterin wachsen liessen. Das Entwickeln von neuen Spielideen und die Frage, wie das Potential in Mitmenschen gestärkt werden kann, faszinieren mich und lassen mein Herz bis heute höher schlagen. Meine Freizeitleidenschaften, d.h. mein musikalisches Interesse, das kreative Arbeiten, sowie auch meine Theatervorlieben, konnte ich so mit meinem Berufsalltag verbinden. Ich freute mich auf das verantwortungsvolle Arbeiten mit den unterschiedlichsten Charakteren der Kinder sowie auf die anspruchsvolle Zusammenarbeit mit den Eltern. Der abwechslungsreiche Alltag und das Tätigsein in verschiedenen Fachbereichen, wie Sprache, Mathematik, Gestalten, NMG, Musik und Sport, war für mich ausschlaggebend, um in der Kindergartenstufe arbeiten zu wollen.

Waren Sie durch das Studium optimal auf die Praxis vorbereitet? 
Meine Neugier an der Entwicklungspsychologie des Kindes, wurde durch verschiedene Module während der Ausbildungszeit noch mehr in mir geweckt. Durch die Verknüpfung von Theorie und Praxis, erhielt ich eine immer differenziertere Vorstellung davon, was es bedeutet, Kinder im Kindergarten optimal auf ihren Lernwegen zu begleiten. Bis heute besuche ich regelmässig Weiterbildungsangebote, um meine pädagogische Praxis zu reflektieren und mein Wissen zu erweitern.

Wie erleben Sie den Alltag mit den Kindern?
Den Alltag mit den Kindern erlebe ich als eine lebendige, kreative und freudige Zeit. Das Wechselspiel aus meinen vorbereiteten Unterrichtseinheiten und den Ideen der Kinder, fordert mich in meiner Flexibilität und aufmerksamen Beobachtung heraus. Besonders wichtig ist mir die Beziehung zum Kind. Nur auf der Grundlage einer guten Beziehung kann ein optimaler Lernraum entstehen, in dem nachhaltig gelernt werden kann. Dafür nehme ich mir bewusst im Morgenkreis, am Znünitisch oder auch während des Freispiels Zeit.

Die Zeit im Kindergarten gliedert sich in verschiedene Unterrichtsbausteine. Die ersten 20 Minuten steht das individuelle Lernen der Kinder im Zentrum. An Tischen oder im Kreis, mit verschiedenen Spiel- und Lernangeboten, wird in kleinen Gruppen oder alleine gearbeitet. Anschliessend verbringen wir eine Lektion in der Grossgruppe für eine geführte Aktivität, welche eine gemeinsame Wissensbasis schafft und zudem die Sozialkompetenzen der Kinder fördert. In der anschliessenden Znünizeit werden nicht nur der Durst und Hunger gestillt, sondern auch viele soziale Kontakte gepflegt. Es wird Znüni geteilt, geplaudert und gelacht. Während den letzten 5 Minuten der Znünizeit lese ich, jeweils passend zum Unterrichtsthema, aus unserem Vorlesebuch vor. Voller Kreativität folgt danach das Spiel im Freien. Das Herumtoben, Klettern, im Sand spielen und mit den Fahrzeugen herum fahren, gibt den Kindern einen optimalen Ausgleich und wird dem Bewegungsdrang dieser Altersgruppe gerecht. Die darauffolgende freie Spielzeit im Kindergarten bietet den Kindern vielfältige Lernerfahrungen und wird von mir aufmerksam beobachtet und teilweise durch meine Impulse angereichert. Nebst diesen Alltagsritualen im Kindergarten gehören aber auch Ausflugsziele wie der Wald, der See, die Eishalle oder die Nachbarschaft zur Unterrichtsplanung dazu, die wir der Jahreszeit entsprechend nutzen.

Welche Aufgaben gehören sonst noch zum Beruf einer Kindergartenlehrperson?
Ein wichtiger Teil neben dem Unterrichten im Kindergarten sehe ich in der Zusammenarbeit mit den Eltern. Damit eine vertrauensvolle Beziehung zu den Eltern aufgebaut werden kann, führe ich viele Tür-und-Angelgespräche bei der Ankommenszeit am Morgen und nach dem Verabschieden der Kinder vor dem Mittag. Elternanlässe wie Elternabende, Elterngespräche, Lichterumzug und Abschiedsfeste dienen zum Informationsaustausch, zur Klärung von Erziehungsfragen und Unsicherheiten von Seiten der Eltern sowie zur Würdigung der Entwicklungsschritte der Kinder. 

Regelmässige Sitzungen im Stufenteam, sowie Gesamtkonvente mit allen Lehrpersonen der Schulgemeinde gehören ebenfalls in meinen Terminkalender.

Administrative Arbeiten wie Budgetabrechnungen, Elternadministration, das Notieren von Kinderbeobachtungen und Fallbesprechungen mit anderen Kindergartenlehrpersonen beanspruchen zudem Zeit.

Was macht Sie an Ihrem Beruf glücklich?
Die Kinder in ihrer Selbstwirksamkeit, auf vielfältige Art und Weise, zu begleiten, bereitet mir am meisten Freude. Sie in ihrer Selbstständigkeit zu fördern, ihnen Raum zu bieten, in dem sie eigene Problemlösestrategien entwickeln lernen, ihr erworbenes Wissen mit eigenen Erfahrungen verknüpfen zu können und dabei zu beobachten, wie sie in ihrem Selbstvertrauen Sicherheit gewinnen, lässt mein Herz höher schlagen. Die dabei nötigen Sozialkompetenzen werden gleichzeitig gefördert, die ich als wichtige Lebensgrundlage sehe.

Wie wurden Sie Praxislehrperson? Welches sind Ihre Aufgaben?
Durch die Zusammenarbeit mit der PHTG wurde ich angefragt, ob ich die Ausbildung zur Praxislehrperson besuchen möchte. Das Begleiten der Studentinnen und Studenten der Kindergartenstufe umfasst im Praktikum das gemeinsame Planen des Unterrichts, das Shadowing während der Durchführung sowie das anschliessende Reflektieren und kritische Analysieren des Geschehenen. Es geht darum, die Studentinnen und Studenten darin zu unterstützen, ihr didaktisches Handlungsrepertoire aufzubauen und zu erweitern, sie herauszufordern ihr pädagogisches Denken zu erproben und sich in die Berufsrolle hinein zu entwickeln. Dazu versuche ich, die gehörte Theorie aus den Vorlesungen, den Studentinnen und Studenten praxisnah mit Alltagsbeispielen zu erläutern. Bei meinen Aufgaben als Praxislehrperson lerne ich zudem auch immer wieder Neues hinzu. Neben dem Coaching der Studentinnen und Studenten im Praktikum gehören zu meinen Aufgaben auch der Austausch in Fachdiskussionen mit anderen Praxislehrpersonen an der PHTG, mein Engagement in Reflexionsseminaren, die Teilnahme an Sitzungen zur Planung und Auswertung der Praktika, die Zusammenarbeit mit den Mentoratspersonen und der Leitung der berufspraktischen Ausbildung sowie die Teilnahme an Weiterbildungsveranstaltungen.

Sie sind Workshopleiterin bei den Berufseinführungskursen der PHTG. 
Wie kam es dazu und wie gefällt Ihnen diese Arbeit?
Vor 5 Jahren wurde ich durch Dozenten der PHTG ermutigt, selbstentwickelte, praxisnahe Spielangebote in Form von Weiterbildungskursen, anderen Berufskolleginnen zugänglich zu machen. Da ich ein grosser Fan von Ressourcennutzung bin und auch gerne in der Erwachsenenbildung Erfahrungen sammeln wollte, willigte ich gerne ein. Die Weiterbildungskurse bieten mir Gelegenheit, mich mit Berufskolleginnen, auch über die Kantonsgrenze hinaus, austauschen zu können. Der Ideenreichtum, der jeweils durch die Berufserfahrung der Teilnehmenden zusammenkommt, erlebe ich als sehr inspirierend. Zudem motiviert es mich auch noch nach 10 Jahren Berufserfahrung, immer wieder meinen eigenen Unterricht zu hinterfragen, zu optimieren und andere Berufskolleginnen zu ermutigen, Neues auszuprobieren.

Wie sehen Ihre beruflichen Zukunftspläne aus? Spielen Sie mit dem Gedanken eventuell ein Masterstudium im Bereich der frühen Kindheit oder in einem anderen Bereich zu absolvieren?
Aufgrund des Kontaktstudiums an der UNI Konstanz zur Erlebnispädagogin entwickelte ich nebst dem Unterrichten im Kindergarten eine weitere Zukunftsvision.

Sie besteht im Entwickeln eines Erlebnisortes für Schul- und Kindergartenklassen, ausserhalb des gewohnten Schulumfeldes, mitten in der Natur (www.erlebnisriich.ch). Ein Ort, an dem der Klassengeist gestärkt und die Selbstwirksamkeit der Kinder vertieft wird. Ein Ort, an dem die Klassenlehrperson in die Rolle der Beobachterin schlüpfen darf und die so gewonnen Erkenntnisse, die Gemeinschaft auch im Klassenzimmer bzw. im Kindergarten nachhaltig stärkt.

Nebst diesem Projekt könnte ich mir auch ein Masterstudium im Bereich Erziehungswissenschaften vorstellen, um mein erworbenes Wissen noch zu vertiefen.

Kontakt

Administrative Fragen
Hochschulsekretariat
+41 (0)71 678 56 56
office(at)phtg.ch

 

Studienberatung
Leiterin Studiengang VS
Karin Fasseing Heim
+41 (0)71 678 57 87
studiengang.vs(at)phtg.ch

 

Informationen

Studiengangsbroschüre

Weitere Interviews

Eine Absolventin der Kindergartenstufe erzählt

Der Masterstudiengang Frühe Kindheit als nächsten Karriereschritt