Sprachförderung durch Film- und Theaterarbeit

Sprachförderung durch Film- und Theaterarbeit

Schauspielen und Kameraführung. Absprachen am Set, sich behaupten und Ideen verteidigen. Geschichten erfinden und Ergebnisse vorführen. Wenn Kinder und Jugendliche zusammen Filme drehen, gibt es viel Gesprächspotenzial. Die zu lernende Fremdsprache ist dabei vor allem Mittel zum Zweck. Sie wird ganz selbstverständlich gesprochen, geflüstert und manchmal geschrien. Die Sprachaufmerksamkeit konzentriert sich auf das Wesentliche: verstehen und verstanden werden. Diese Erkenntnisse konnten in einem mehrjährigen Praxisforschungsprojekt an der Schnittstelle von Medienpädagogik, Theaterpädagogik und Sprachdidaktik gewonnen werden.

Der film- und theaterpädagogische Ansatz

Mit Film und Theater können Lernende auf motivierende und niederschwellige Weise an die deutsche Sprache herangeführt werden. Die Produktion von szenischen Videos ist mit attraktiven Kommunikations- und Sprechanlässen verbunden. Theaterpädagogische Übungen tragen zur Entwicklung des Selbstbewusstseins bei und sensibilisieren für das Zusammenspiel von Sprache, Körpersprache in konkreten kommunikation Situationen. Sprachenlernende erweitern dabei kontinuerlich ihren Wortschatz und bauen ihre Sprechfertigkeit aus, indem sie neu erworbenes sprachliches Können unmittelbar im Prozess der gemeinschaftlichen Filmproduktion anwenden. Sprache spielt nicht nur bei der Verkörperung von Filmfiguren eine Rolle. Sie wird auch benötigt, um Produktionsabläufe zu koordinieren, sich Ideen mitzuteilen oder Gestaltungsentscheidungen zu treffen. Die Idee dabei ist, dass die Lernenden zunächst formalsprachliche Perfektionsansprüche zurückstellen und sich in erster Linie trauen, die zu lernende Sprache aktiv und spontan zu nutzen. Auch sprachlich zurückhaltende Lernende werden durch den filmischen Schaffensprozess gewissermassen zur Kommunikation «verleitet».

Auf der Website sprachfoerderung.eu finden sich zahlreiche Übungen, didaktische Materialien und Beispielvideos zum film- und theaterpädagogischen Sprachförderansatz. Das Buch «Spiel-Film-Sprache» (s. rechts) liefert wichtige Hintergrundinformationen zu Einsatz und Anwendung der Übungen.

Auf der Website spielfilmsprache.org können sich Jugendliche und Studierende über das Sommercamp SPIEL-FILM-SPRACHE informieren und sich online anmelden. Auf der Website können ausserdem die Kurzfilme angesehen werden, die in den letzten Jahren in den Sommercamps entstanden sind. Zudem sind an dieser Stelle der Forschungsansatz und ausgewählte Befunde dokumentiert.

Dokumentarfilm zum Sommercamp SPIEL-FILM-SPRACHE

Forschung und Entwicklung

Der film- und theaterpädagogische Sprachförderansatz wird in der Praxis kontinuierlich weiterentwickelt. Jedes Jahr findet das 12tägige Sommercamp SPIEL-FILM-SPRACHE in Seligstadt (Rumänien) statt. 30 jugendliche Deutsch-als- Fremdsprache-Lernende aus Serbien, Kroatien, Rumänien und Ungarn werden von einem interkulturellen Team von Studierenden aus Rumänien, Serbien und Deutschland bei der Produktion von Kurzspielfilmen begleitet. Die Studierenden werden vorab in einem Ausbildungscamp für die Anwendung des film- und theaterpädagogischen Sprachförderansatzes qualifiziert. Die Camps werden wissenschaftlich begleitet und die Erkenntnisse fliessen in die Weiterentwicklung des Campdesigns ein. Bewährte Methoden und erprobte Lehr-Lernmaterialien werden auf sprachfoerderung.eu veröffentlicht.

Projektpublikationen

  • Holdorf, Katja / Maurer, Björn (Hrsg.) (2020). Spiel-Film-Sprache. Grundlagen und Methoden für die film- und theaterpädagogische Sprachförderung im Bereich DaZ/DaF. 2., überarb. Aufl. München. kopaed.
  • Holdorf, Katja/Maurer, Björn (2017). Interdisziplinär - interkulturell - intermedial. Der film- und theaterpädagogische Sprachförderansatz in der Lehre der PH Ludwigsburg. In: Online-Magazin "Ludwigsburger Beiträge zur Medienpädagogik", Ausgabe 19/2017.
  • Holdorf, Katja / Maurer, Björn (2017). Mit der Kamera auf Wörterfang – Wortschatzerweiterung mit Fotografie und Video. In: DaZugehören - Magazin. Unterrichtstipps für Deutsch als Zweitsprache. Ausgabe 2 | 2017.
  • Holdorf, Katja / Maurer, Björn (2017). «Hallo – das bin ich ...!» Zugewanderte Kinder und Jugendliche nutzen die Videokamera als sprachunterstützendes Instrument des Selbstausdrucks. In: praxis deutsch 263/2017. S. 24-29.
  • Katja Holdorf/Björn Maurer (2017). Sprachförderung DaZ durch Medienarbeit? Schnittmengen von Sprachdidaktik und Medienpädagogik. In: von Gross, Friederike / Rollecke, Renate (Hg.): Medienpädagogik der Vielfalt. Integration und Inklusion. München: kopaed.
  • Dostler, Michael / Maurer, Björn / Nilles, Ken (2017). «Filme lesen und schreiben!» Grundlagen der Filmgestaltung. In: Holdorf, Katja / Maurer, Björn (Hrsg.): Spiel-Film-Sprache. Grundlagen und Methoden für die film- und theaterpädagogische Sprachförderung im Bereich DaZ/DaF. München: kopaed. S. 125-195.
  • Dostler, Michael / Maurer, Björn (2017). «Kamera läuft! Und Bitte! Filmproduktion in der Sprachförderpraxis. In: Holdorf, Katja / Maurer, Björn (Hrsg.): Spiel-Film-Sprache. Grundlagen und Methoden für die film- und theaterpädagogische Sprachförderung im Bereich DaZ/DaF. München: kopaed. S. 197-210.
  • Maurer, Björn / Trüby, Daniel (2017). Filmproduktion und Sprachförderung mit Smartphones und Tablets. In: Holdorf, Katja / Maurer, Björn (Hrsg.): Spiel-Film-Sprache. Grundlagen und Methoden für die film- und theaterpädagogische Sprachförderung im Bereich DaZ/DaF. München: kopaed. S. 327-346.
  • Holdorf, Katja / Maurer, Björn (Hrsg.) (2017). Spiel-Film-Sprache. Grundlagen und Methoden für die film- und theaterpädagogische Sprachförderung im Bereich DaZ/DaF. München: kopaed.
  • Beer, Melanie / Holdorf, Katja / Maurer, Björn (2017). Interaktive Erklärprozesse in der film- und theaterpädagogischen Sprachförderung. In: Fuchs, Isabel / Jeuk, Stefan / Knapp, Werner (Hrsg.): Mehrsprachigkeit: Spracherwerb, Unterrichtsprozesse, Seiteneinstieg. Beiträge zum 11. Workshop „Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund“. Stuttgart: Fillibach bei Klett. S. 207-230.
  • Maurer, Björn (2015). Filmen fördert Sprache. Einsatzmöglichkeiten mobiler Medien in der DaF-Sprachförderung am Beispiel eines interkulturellen Filmprojektes. In: Arbeitskreis DaF Rundbrief 68/2015.
  • Maurer, Björn (2014). Zwischen Tabletcomputern und Dracula-Romantik. In: infodienst - Das Magazin für kulturelle Bildung. Nr. 111/2014. S. 23-25.
  • Holdorf, Katja / Maurer, Björn (2013). Film - Sprache - Begegnung. Ein interkulturelles Jugendbegegnungsprojekt an der Schnittstelle von Sprachförderung und Filmbildung. In: Ludwigsburger Beiträge zur Medienpädagogik 16/2013.
  • Holdorf, Katja / Maurer, Björn (2013). Fördern Filme Sprache? Einblicke in ein interkulturelles medienpädagogisches Sprachförderprojekt in Transsilvanien. In: Beli-Göncz, Julijana / Boose, Irene / Bozinka Petronijevic / Wrobel, Arne (Hrsg.): Treffpunkte. Literatur, Sprache und Didaktik im deutsch-serbischen Dialog. Hohengehren: Schneider 2013. S. 332-361.

Kontakt

Prof. Dr. Björn Maurer
Leiter Forschungsstelle Medienpädagogik
+41 (0)71 678 57 73
bjoern.maurer(at)phtg.ch
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Katja Holdorf
Sprachdidaktikerin
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
holdorf(at)ph-ludwigsburg.de
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Dr. Mirona Stanescu
Theaterpädagogin
Babes-Bolyai-Universität Cluj-Napoca
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Laufzeit

Seit 2013 fortlaufend

Quicklinks

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Kontakt

Pädagogische Hochschule Thurgau
Unterer Schulweg 3
Postfach
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Telefon +41 (0)71 678 56 43
E-Mail pfw.sekretariat(at)phtg.ch
 

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